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Tachomanipulation: Ratgeber zum Tachobetrug

Die Zahlen zum Thema Tachomanipulation sind böse. Geschätzt sind ein Drittel (!) aller Gebrauchtwagen „gedreht“. Also gefälscht. Dem Käufer kostet Tachobetrug nicht nur bares Geld. Sondern im schlimmsten Fall sogar Leib und Leben.

 

Polizei und Clubs schätzen, dass bei einem Drittel aller gebrauchten Autos getrickst wird. Und zwar am Tacho. Tatsächlich ist eine solche Tachomanipulation denkbar einfach. Software und Technik gibt es im Netz ganz offen zu kaufen. Legal. Für nur 150 Euro. Der Tachobetrug selbst ist in 60 Sekunden erledigt. Ohne Know-how. Auch eine Werkstatt braucht es nicht. Dafür ist der Wert des Gebrauchten aber deutlich gesteigert. Nehmen wir zum Beispiel einen kleinen VW Polo. Kurz mal den Tacho um 35.000 km zurück „gedreht“, schon sind 1.200 Euro mehr verdient. In einer Minute. Noch ärger ist es in höheren Klassen. Beispiel E-Klasse, Baujahr 2012. Hier den Tacho von 115.000 km auf 50.000 km zurück, heißt bis zu 5.500 Euro mehr Gewinn.

 

Natürlich nur für den Verkäufer. Der Käufer zahlt dagegen drauf. Nicht nur mit Geld. Denn die Tachomanipulation kann Leben kosten. Weil aufgrund des Tachostands Inspektionen zu spät gemacht werden. Damit wieder wichtige Reparaturen. Versagen die Bremsen, ist es mitunter zu spät. Wobei die Dunkelziffer „gepimpter“ Autos wohl noch höher liegt. Händler schätzen die Gefahr Tachobetrug auf 40 Prozent. Und mehr. Dabei wäre es recht einfach, Tachobetrug zu unterbinden. Die Hersteller müssten nur einen kleinen Chip einbauen. Doch das ist denen zu teuer.

 

Gefahr: Was droht bei Tachomanipulation?

 

Den Tricksern drohen ebenfalls kaum Strafen. Ein Jahr Haft. Wenn überhaupt. Dabei sind die Zahlen extrem. Pro Jahr beträgt der Schaden durch Tachobetrug sechs bis sieben (!) Milliarden Euro. Milliarden. Bei sieben Millionen verkauften Gebrauchten pro Jahr. Sowie jeweils nur 3.000 Euro Schaden. Nur. Denn die Summe ist recht niedrig geschätzt. Der Schaden kann bis zu 9.000 Euro betragen. Die Dunkelziffer dürfte also durchaus höher liegen. Zumal selbst Otto Normal nicht viel „investieren“ muss. Nicht einmal Software und Technik sind ein Muss. Die reine „Dienstleistung“ Tachomanipulation gibt es schon für 50 Euro. Der Gewinn dagegen: vierstellig.

 

Doch wie gesagt. Es geht nicht allein um den finanziellen Schaden. Selbst wenn dieser den Käufer hart genug trifft. Doch wird Verschleiß nicht erkannt, geht es um Leib und Leben. Werden Reparaturen doch noch früh genug gemacht, fallen diese zudem unerwartet teuer aus. Zum zu hohen Preis kommen also noch teure Kosten dazu. Selten ist das leider nicht. Die Gefahr ist dafür hoch. Ein Motorschaden zum Beispiel kostet ein paar tausend Euro. Lohnt die Reparatur nicht mehr, geht der Wagen direkt auf den Schrott. Ein wirtschaftlicher Totalschaden, für den niemand aufkommt. Trotzdem machen die Hersteller nichts. Die Autobauer wiegeln Tachobetrug gern als „Einzelfall“ ab. Dabei wäre mehr Transparenz recht einfach möglich.

 

Denn längst werden von der Branche HSM Chips verbaut. So will man sich vor Chiptuning schützen. Eben diese Chips könnten Tachobetrug verhindern. Weil die Daten auf diesen Speichern nicht überschrieben werden können. Die Kosten? Weniger als ein Euro. Pro Fahrzeug. Ein kleiner Code würde schon reichen. Zumal der Chip bereits verbaut ist. Hohe Kosten? Wohl nicht. Zwar wäre eine Tachomanipulation wohl immer noch möglich. Aber deutlich schwerer. Also mit mehr Aufwand verbunden. Dadurch weniger lohnend.

 

7 Tipps: Wie kann ich Tachobetrug erkennen

 

Wobei selbst Laien eine Tachomanipulation erkennen können. Zumindest, wenn diese arg übertrieben wurde. 20.000 km fallen zwar nicht auf. 100.000 km aber schon. Hierzu braucht es nur einen klaren Blick. Sowie Logik. Und ein paar Tipps, um den Tachobetrug zu erkennen.

 

1. Angebot

Ein zu gutes Angebot ist der erste Hinweis auf Tachomanipulation. Ein fünf Jahre altes Auto mit nur 20.000 km auf der „Uhr“? Das könnte das berühmte Rentnerauto sein. Oder aber Tachobetrug.

 

2. Ölwechsel

Ein Aufschluss gibt eventuell der letzte Ölwechsel. In der Regel werden bei diesem die Kilometer vermerkt. Also lohnt ein Blick unter die Haube. Vor allem, wenn die Werkstatt alte Zettel (somit frühere Ölwechsel) nicht entfernt hat.

 

3. Unterlagen

Überhaupt sind Unterlagen ein wahrer Quell. Alte TÜV Berichte, Kaufverträge, Rechnungen von der Werkstatt. Hier sind in der Regel ebenfalls die Kilometer verzeichnet. Tipp: Unterlagen dürfen keine Lücken zeigen. Fehlen Papiere, gilt Vorsicht.

 

4. Scheckheft

Daher ist auch das Scheckheft ein guter Ansatz. Zwar sind entsprechend gepflegte Fahrzeuge (etwas) teurer. Doch die paar Euro sind gut angelegt. Denn die Stempel zeigen eine regelmäßige Wartung. Doch auch hier gilt mittlerweile Obacht. Schwarze Schafe beziehen Vorlagen samt Stempel aus Asien. Tipp: Eine Nachfrage in der Werkstatt lohnt.

 

5. Vertrauen

Ebenfalls wichtig ist Vertrauen. Zwar gibt es keine Garantie zu 100 Prozent. Doch wenn der Händler Fragen ausweicht, ist Vorsicht besser. Ebenso wie bei Phrasen wie „Kilometerstand wie abgelesen“.

 

6. Optik

Zuletzt verrät die Optik des Wagens viel. Sogar eine Tachomanipulation. Ist das Lenkrad abgegriffen? Sind die Bezüge verschlissen? Ist das Leder brüchig? Haben die Reifen noch Profil? Trotzdem hat der Wagen gerade mal 50.000 km auf dem Tacho?

 

7. Test

Daher lohnen auch kleine Tests. Hat das Lenkrad zu viel Spiel? „Beißen“ die Bremsen? Greift die Kupplung? Bei wenig Laufleistung sollte die Antwort jeweils Nein heißen.

 

Was kann ich bei Tachobetrug machen?

 

Eine Tachomanipulation zu erkennen, ist also durchaus möglich. Selbst ohne einen Fachmann an der Seite. Der Nachweis eines Tachobetrug ist allerdings nicht einfach. Hier hilft nur ein Anwalt. Sowie ein Kfz-Experte. Immerhin: Vor Gericht geht es nicht darum, wie viele Kilometer der Tacho zurück gedreht wurde. Sondern allein darum, dass eine Tachomanipulation vorliegt. Die Kosten - also für Anwalt und Gutachter - trägt trotzdem der Geschädigte. Oder die Rechtsschutz. Ob der Betrüger dann noch zu fassen ist, könnte aber fraglich sein.

 

Zumindest tut sich etwas. Niedersachsen plädiert für den Car Pass. Dieser könnte die Tachomanipulation deutlich schwerer machen. Mittels einer Art Lebenslauf des Autos samt Datenbank. Quasi von dessen „Geburt“ an. Bis hin zum „Tod“. Also dem Schrottplatz. Samt Wartungen sowie Reparaturen. Zwar macht der Car Pass Tachobetrug immer noch möglich. Aber eben nur mit mehr Aufwand. In Belgien ist ein solcher Car Pass schon Pflicht. Trotzdem kommt es immer noch zum Tachobetrug. Aber weniger als früher. Auch in den USA gibt es eine ähnliche Lösung (Carfax). Wobei in den Staaten sogar Unfalle gespeichert werden. Käufer können per Internet „checken“, ob der Wagen in Ordnung ist. Die Fahrgestellnummer reicht.

 

In Deutschland ist eine solche Idee aufgrund des Datenschutz übrigens (noch) nicht umsetzbar. Warum auch immer. Gott sei Dank betrifft Tachobetrug in Deutschland aber nur Einzelfälle. Sagen die Hersteller.


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